WETTBEWERB

Christ & Gantenbein Architekten, Basel

Emanuel Christ, Christoph Gantenbein

Das Architekturbüro Christ & Gantenbein mit Sitz in Basel wurde 1998 von Emanuel Christ und Christoph Gantenbein gegründet und arbeitet heute mit sechs Associates sowie einem Team von rund 35 Architekten an einer Vielzahl unterschiedlichster Projekte: von privaten Aufträgen, über denkmalgerechte Sanierungen, Wohnungs- und Bürobau, bis hin zu großmaßstäblichen städtebaulichen Masterplänen. Gebaute Projekte sind in der Schweiz, Deutschland, Großbritannien, China und Mexiko zu finden.

Ein Fokus ihres Werks liegt auf der Museumsarchitektur: Derzeit entstehen der Erweiterungsbau für das Landesmuseum Zürich und der Erweiterungsbau für das Kunstmuseum Basel.

2013 hat das Büro den Wettbewerb für die Erweiterung des Wallraf-Richartz-Museums in Köln gewonnen.

Die Arbeit des Büros wurde mit verschiedenen Preisen und Awards ausgezeichnet, so zum Beispiel mit dem Schweizer Stahlbaupreis „Prix Acier“ (2014), dem „best architects 14“ Award (2013), dem „ar Award for Emerging Architecture“ (2009) und mit zwei Nominierungen für den „Iakov Chernikhov International Prize“ (2010, 2012).

2. Platz: ALTE AKADEMIE – Architekturwettbewerb

Christ & Gantenbein vertreten die Ansicht, dass die Musealisierung nicht das Ziel sein kann. Das “normale” Raumprogramm der vorliegenden Aufgabe, Verkaufsflächen, Büros, Wohnungen, nahezu banal, angesichts der monumentalen Bedeutung des Jesuitenkollegs oder der Alten Akademie, bietet für Christ & Gantenbein die Chance, exemplarisch zu zeigen, wie Architektur genau diesen “normalen” Nutzungen eine spezifische Qualität geben kann, was ein Neubau zu leisten vielleicht nicht in der Lage wäre.

Wir leben in einer ganz anderen Zeit als der Architekt Josef Wiedemann, der in den 1950er-Jahren mit großem Können und viel Sorgfalt die Alte Akademie kreativ rekonstruiert und für seine Zeit aktualisiert hat. Die Gesellschaft hat sich seither sehr grundsätzlich verändert, mit Folgen für die Nutzung des öffentlichen Raums und die soziale Kontrolle. Einkaufen hat einen ganz anderen Stellenwert, die Gastronomie sowieso, man bewegt sich anders, mit anderen Mitteln, hat ein völlig verändertes Verhältnis zur Mobilität und orientiert sich im Raum mit digitaler Unterstützung und weniger mit Ortskenntnis. All dies, und noch viele weitere soziale, ökonomische, technische und kulturelle Realitäten sind zentral für die Frage, wie Architektur heute, im Jahr 2016, konzipiert, wahrgenommen, verstanden und genutzt (oder ignoriert) wird.

Und dennoch steht das ein halbes Jahrtausend alte Monument der St. Michaels Kirche in seiner ganzen Kraft immer noch da und beeindruckt uns tief. Und die Alte Akademie ebenso, auch ihre Architektur macht uns Freude. Dass wir diese Zeitzeugen real erleben dürfen, ist ein enormer kultureller Wert. Wenn wir über Verkaufsnutzungen an dieser passantenreichen Lage nachdenken, dann geht es für Christ & Gantenbein nicht darum, eine generischen Shopping Mall zu entwickeln. Im Gegenteil, das Vorhandene hilft, ein spezifisches Angebot mit unverkennbarer Identität zu entwickeln. Dazu müssen sich die neuen kommerziellen Nutzungen in der historischen Struktur einnisten. Wo ursprünglich die Religion, dann die Wissenschaften, dann die Verwaltung ihren Platz hatten, wird Gastronomie und Verkauf stattfinden. Dafür sind Anpassungen notwendig.

Davon handelt das Projekt. Von Kontinuität und Veränderung. Letztere ist nicht das Ziel, sondern notwendig, wenn wir in den alten Strukturen modernes Leben ermöglichen wollen. Die Überzeugung von Christ & Gantenbein ist es, so wenig wie möglich zu verändern. Wenn Christ & Gantenbein an der Alten Akademie und dem Kaufhaus Hettlage weiterbauen, wollen sie die heutigen Ansprüche an der vorhandenen Bausubstanz ausrichten.

Fassade: Baugeschichte des Ortes

Das Kaufhaus Hettlage war von Wiedemann zweigeschossig entworfen worden, mit drei Bürogeschossen darüber. Damit unterscheidet sich dieses Eckgebäude nicht nur in seiner architektonischen Sprache, sondern auch in seiner Maßstäblichkeit grundlegend von der Renaissance/Barock-Architektur des Jesuitenkollegs. Mit der geplanten Raumhöhe für Verkaufsnutzungen anstelle der Büros erhalten beide Bauten eine durchgehende innere Struktur, was das Potential birgt, diese Kontinuität gegen außen zum Ausdruck zu bringen. Die ursprüngliche Fassade der Alten Akademie kehrt in Form ihrer Fensteröffnungen, der Wiedemann’schen Fassade überlagert, zurück. Das Eckgebäude erhält also einen zeitgenössischen Ausdruck als Komposition einer großzügigen Barockfassade und der kleinteiligen Rasterung einer 1950er-Jahre Bürofassade.

Wiedemann’sche Passagen-Halle statt Arkade

Wiedemann hat im Kontext der Verkehrsdiskussionen der Nachkriegszeit eine Passage entworfen, die heute als unangenehm proportionierter, unnötiger und somit unverständlicher Raum wahrgenommen wird. Unnötig, weil sich das Verkehrsregime grundsätzlich verändert hat. Das städtebauliche Grundmotiv der Architektur des Jesuitenkollegs, die Fassung eines Platzes vor der Kirche, der hier gegen Westen in eine Straße übergeht, wird durch diese Passage geschwächt. Hingegen ist die von Wiedemann gezeichnete Passagen-Halle (ob sie nie gebaut oder wieder zerstört wurde, wissen wir nicht) als stolzer Raum im Kopf der Alten Akademie ein Ort mit Potential, z.B. für ein urbanes Café. Damit bleibt der Charakter der Halle als offener Raum erhalten, auch wenn er klimatisch zum Innenraum wird.

Die Stadt gewinnt den Schmuckhof

Sowohl Jesuitenkolleg als auch die Akademie waren wichtige urbane Institutionen. Mit dem Statistischen Amt ging dieser öffentlich-urbane Charakter verloren. Das Gastronomie-Angebot am Schmuckhof bringt wieder Lebens ins Innere der Anlage. Zu diesem Zweck wird auch das zweite Portal für einen offenen Hofzugang genutzt. Zweigeschossige Verglasungen, wie sie Wiedemann selbst auf der Rückseite des Kaufhauses Hettlage gebaut hat, sollen hier rundum die drei Flügel mit dem Hof in eine Beziehungen setzen. Große Faltläden, im geöffneten Zustand eine Art Vordach bildend, verändern je nach Zustand den Ausdruck der Architektur und bringen sie so zum Leben.

Wohnen unter den Dächern

Während wir mit Büros Übersichtlichkeit und Ordnung assoziieren, sind bei Wohnungen die gegenteiligen Qualitäten, Intimität, Privatheit und Behaglichkeit gesucht. Darum bietet es sich an, unter den Dächern, in den teilweise anspruchsvollen Geometrien, Wohnungen zu realisieren. Gerade die Tatsache, dass diese sich in Resträumen ökonomisch arrangieren müssen, gibt ihnen einen Charakter und Charme, den Charme des Wohnens in der historischen Innenstadt. Nicht Aussicht, Licht und Sonne sind hier die primären Werte, sondern Zentralität, Wohnlichkeit und Exklusivität. So sind alle Wohnungen im obersten Vollgeschoss und im Dach darüber untergebracht. Der Maisonette-Typ erfordert wenig und nicht sehr große Gauben, da die zweigeschossigen Wohnräume über die regulären Fenster belichtet werden können, was im Interesse der Wahrung des Charakters der Dachflächen wichtig ist.

Plansatz zum Download

Kunstmuseum Basel

Der Erweiterungsbau des Kunstmuseums Basel findet seine spezifische Form in der Geometrie des Ortes. Entlang der St. Alban-Vorstadt sowie entlang der Dufourstraße folgen die Fassaden dem Straßenverlauf. Am St. Alban-Graben, in der projizierten Verlängerung der Arkaden des Hauptbaus gibt das Volumen einen Vorplatz frei und formuliert eine prägnante Eingangsgeste. Auch die Maßstäblichkeit der Fassade orientiert sich an der umgebenden Bebauung. Die Massivität, die Farbigkeit und die vertikale Gliederung nehmen spürbaren Bezug zum Hauptbau. Der Farbverlauf der Mauersteine von grau im Sockelbereich bis fast weiß im oberen Teil der Fassade gliedert das Haus und lässt es gleichsam aus dem Boden wachsen. Der umlaufende Fries auf der Höhe des zweiten Obergeschosses und die stehenden Fenster der Ausstellungsräume im ersten Obergeschoss geben dem Haus zusätzlich Maßstab und Ordnung.

Landesmuseum, Zürich

Der Erweiterungsbau für das Landesmuseum Zürich, der im Juli 2016 feierlich eröffnet wird, ergänzt den Bau des Architekten Gustav Gull von 1898 mit einem neuen Gebäudetrakt auf der Seite des Platzspitzparks. Alt- und Neubau sind direkt miteinander verbunden und formen so ein stadträumliches und architektonisches Ensemble. Der Neubau leitet sich direkt aus den örtlichen Bedingungen des Bauplatzes ab: Die bestehenden Bäume und Wege der historischen Parkanlage bestimmen seine Form im Grundriss und die bewegte, charakteristische Dachlandschaft des Altbaus gibt für den neuen Baukörper das volumetrische Thema vor. Das zentrale Motiv des Neubaus ist die Brücke. Sie spannt sich über einen großen Raum mit Wasserbecken. Die markante Brücke wird im Inneren des Gebäudes einerseits als monumentale Treppe und andererseits als Tribüne im Auditorium wahrgenommen. So unterschiedlich Alt- und Neubau sind, so sehr werden architektonische Gemeinsamkeiten und Ähnlichkeiten thematisiert. Sie tragen dazu bei, dass Alt und Neu als Einheit wahrgenommen werden: Den starken Steinwänden des Altbaus aus dem 19. Jahrhundert entsprechen die aufgrund der hohen Wärmedämm-Anforderungen (Minergie-P Eco) 80 cm dicken Wände des Neubaus. Den Tuffstein-Fassaden des Altbaus entspricht der eigens für dieses Projekt entwickelte Tuff-Beton der Neubaufassaden, und die geschliffenen Betonböden im Neubau stellen eine zeitgenössische Interpretation der dekorativen Terrazzoböden des Altbaus dar. Im Innern der neuen Museumsräume dominiert Beton. Zusammen mit den bewusst inszenierten Technikelementen an den Decken lässt er eine moderne, beinahe industriell anmutende Raumatmosphäre entstehen: robust und großzügig – offen für vielseitige Formen des Inszenierens und Ausstellens.

AquilaTower, Pratteln

Das neue 61 Meter hohe Wohn- und Geschäftshaus steht in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof. Im 20-geschossigen Turm befinden sich 76 Wohnungen, im Sockel, dessen Traufkante mit der Nachbarbebauung korrespondiert, die Büros. Die öffentlichen Nutzungen sind im Erdgeschoss untergebracht. Die einfache symmetrische Form des Hochhauses basiert auf zwei Rhomben, je nach Blickwinkel tritt der Baukörper schlank und spitzwinklig oder flach und scheibenförmig in Erscheinung.

List Customer Center, Arisdorf

Inmitten der hügligen Jura-Landschaft von Arisdorf gelegen steht das Customer Center für die Firma List, die führend ist in der Entwicklung von „dry processing“-Technologie für die Polymerverarbeitung. Das Gebäude ist gleichzeitig ein Industriebau, in dem neue Prozesse entwickelt und erprobt werden, und ein Empfangsgebäude, in dem Kunden die Firma und ihre Produkte vorgestellt werden. Der Entwurf für das Gebäude macht sich die Grundstücksgeometrie zunutze, indem es sich fächerförmig segmentiert zur Landschaft hin öffnet und dabei fünf Raumschichten bildet. Die metallische Außenhaut aus Roh-Aluminium, die Industrietore und die Sheddächer, die Tageslicht in die Tiefe lenken, bringen den Charakter von List als Industriefirma architektonisch zum Ausdruck.

Geschäfts- und Bürogebäude, Liestal

Der markante Baukörper besetzt eine dreieckige Parzelle. Durch die Grundstücksfläche ergibt sich ein verzogener, nach unten verjüngter Kubus, der in seiner Materialität, dem dunklen, anthrazitfarbenen Beton, an diesem dynamischen Ort Robustheit und Stabilität ausstrahlt. Der Haupteingang in die zentrale Halle und zu den Ladenflächen orientiert sich mit einer prominenten Schaufensterfront zum Bahnhofplatz. Durch die zurückspringende Fassade entsteht für die Passanten und die wartenden Buspassagiere ein grosszügiger überdeckter Bereich vor den Schaufenstern.

Westhof, München

Christ & Gantenbein plant hochwertige Eigentumswohnungen in München Maxvorstadt. Das sieben-geschossige Gebäude mit 80 Wohnungen stellt zusammen mit dem Postgebäude aus der 20er Jahren ein überzeugendes Ensemble dar.