WETTBEWERB

AFF Architekten, Berlin

Gebrüder Martin Fröhlich und Sven Fröhlich (Foto: Foto: Dawin Meckel)

AFF wurde 1999 von Absolventen der Bauhaus-Universität in Weimar gegründet. In der Tradition des Werkstattgedankens stand die Idee im Vordergrund, ein Büro zu gründen, das unter Vereinigung von engagierten Architekten charaktervolle Baukunst hervorbringt. Sie entsteht als Produkt einer Teamarbeit von derzeit 15 Architekten.

Die Arbeit des Teams basiert auf dem Verständnis von Architektur als etwas Objekthaftem. AFF hinterfragt, in welchem Verhältnis das Objekt zu seinem Ort und zum Charakter seiner Aufgabe steht. In der unendlichen Vielfalt von Möglichkeiten und Anforderungen werden vorhandene Dinge aufgegriffen, um auf unterschiedlichste Weise deren spezifische Eigenarten und Traditionen herauszufiltern.

Der Entwurfsprozess richtet sich nach der jeweiligen Idee, die aus der Beobachtung und Analyse unterschiedlicher Qualitäten entwickelt wurde und formuliert sie im Fluss stetig aus. Gebräuchliche Typologien und Formen werden dabei ständig in Frage gestellt und mit zeitgenössischen Anforderungen abgeglichen.

AFF Architekten halten eine Professur an der École polytechnique fédérale EPFL Lausanne, Schweiz.
http://east.epfl.ch

ALTE AKADEMIE – Realisierungswettbewerb:

Geviert

Das Architekturbüro AFF Architekten vertritt die Ansicht, dass die Alte Akademie nur in ihrem städtebaulichen Zusammenhang im Ensemble mit St. Michael und den anschließenden Höfen betrachtet werden kann. Alle baulichen Eingriffe verstehen sich als eine Fortschreibung der historischen Raumfolgen, Proportionen und Zusammenhänge. Jede gewählte bauliche Adaption folgt dem Bild einer neuen offenen Stadt unter Stärkung der historischen Tradition. Das historische Geviert des Kreuzviertels ist geprägt von St. Michael und seinen fünf Höfen. Eine Stadt wird von Charakter ihrer öffentlichen Räume geprägt. Wichtiger öffentlicher Raum im Geviert ist das Kirchenschiff von St. Michael. Ihm folgen die frei zugänglichen Innenhöfe.

Arkaden

Im Bauteil der Hettlage wird die bisher das Geviert deformierende Arkade aus der Zeit des Wiederaufbaues in Schaufensternischen zurückgebaut. Sie werden als Sequenz erhalten und sind Zugang, Einblick und Unterstand. Im Bereich der Alten Akademie vervollständigen sie den Innenhof im Sinne des ehemaligen Kirchenhofes. So wird dieser als heutiger Schmuckhof wieder in seiner Bedeutung als qualitätsvoller, städtischer Hofraum aufgewertet. Mit diesen beiden wichtigsten Ein- und Rückgriffen stärkt der Entwurf die dem Geviert innewohnende Identität. Mit der Offerte den Schmuckhof als Arkadenhof dem öffentlichen Leben zu widmen, wird die Stadt in der Neuhauser Straße um einen qualitätsvollen urbanen Baustein bereichert.

Fassaden

Der Entwurf baut auf den historischen Ordnungen der Fassaden gleichermaßen auf, wie er sie konsequent im ihrem historischen Bezügen zurück- und weiterdenkt. Das Eingangsportal in der Achse des Marienplatzes muss an historischer Stelle wieder errichtet werden. Die, aus dem Verkehrskonflikt zwischen Fußgängern und Straßenbahn, getragenen Entscheidung wird aus heutiger Anforderung revidiert. Der Entwurf von AFF Architekten baut die Jahrhunderte währende Dominanz des Mittelportals in der Neuhäuser Straße bis zum Marienplatz wieder auf. Die visuelle Präsenz als zentraler Eingang ist nicht nur historische Attitüde, sondern stützt auch die Attraktivität der neuen Nutzungen. Die geöffneten Hoffassaden des Schmuckhofes bilden im Erdgeschoss mit dem neuen umlaufenden Arkaden eine räumliche Einheit. Die Arkade ist Weg und Verweilzone der ebenerdigen Nutzungen. Die Sgraffitomalereien der Schmuckhoffassaden sowie der ehemaligen Hettlage werden denkmalgerecht saniert. Ihr geometrisches Muster wird im Bodenbelag des Schmuckhofes als fünfte Fassade weiter geführt.

Denkmal

Der Umbau der Alten Akademie mit neuen Nutzungen wie Handel, Büro und Wohnen fordert in vielen Ebenen einen sorgfältigen planerischen Abwägungsprozess. Dieser steht einerseits in der Verantwortung des historischen Bewahrens und anderseits in der Positionsbestimmung für eine nachhaltige Quartiers- und Gebäudeplanung. Als Ergebnis des vorliegenden Entwurfes sind mit ihrem historischen Bezug folgende bewahrende und ergänzende Entscheidungen u.a. hervorzuheben:

  • Bewahrung aller Schmuckfassaden an der ehemaligen Hettlage und im Schmuckhof
  • Wiederaufbau des Mittelportales im Kopfbau der Alten Akademie
  • Erhaltung und Einbindung von zwei zentralen Treppenanlagen aus der Zeit des Wiederaufbaues in den Flügeln der Alten Akademie
  • Erhaltung und Wiedereinbau der Natursteinstützen im Erdgeschoss
  • Wiedererrichtung des historischen Ausstellungssaals
  • Erhaltung der Geschosse im Schmuckhof

Nutzungen

Ehemalige Hettlage

Das ehemalige Kaufhaus erhält mit der ebenerdigen Fassadenanbindung zur Fußgängerzone neue Nischen und die Möglichkeit vielfältiger Zugänge. Somit sind Nutzungseinteilungen von „Gesamt“ bis „sequentielle Einheiten“ möglich. Der Zugang zu den oberen Etagen erfolgt über den Eckeingang am Beginn der Kapellenstraße. Alle zukünftigen Nutzer adressieren sich unabhängig von ihrer Geschoßbelegung damit an der Neuhauser Straße.

Alte Akademie

Der bisher geschlossene Baukörper der Alten Akademie und der Schmuckhof verbinden sich durch das Öffnen der beiden Tore im Längsbau mit der Fußgängerzone. Die beiden wichtigen öffentlichen Verbindungen zum Arkadenhof umspülen eine zentrale ebenerdige Verkaufsfläche mit vier Fassaden unterschiedlicher Offenheit. Großflächige Verglasungen in den Durchgängen wechseln sich mit repräsentativen Fenstern in der Fußgängerzone ab. Hier betritt jeder Besucher die vielfältige Raumwelt des Längsbaus von introvertierter Untergeschosszone bis zum weiten Ausstellungssaal des 2. Obergeschosses. Sie geben Raum für unterschiedliche Repräsentationsformen von Waren und Erlebnissen. Das Dachgeschoss wird über die östliche Treppe zu St. Michael erschlossen und steht der Büronutzung zur Verfügung.

Schmuckhof

Die Arkaden des Schmuckhofes werden von großzügigen Räumen im Erdgeschoss umlaufend umschlossen. Die Arkade und das Erdgeschoss verschmelzen durch das Thema der Rundbögen zu einer räumlichen Einheit. Die ehemalige Kantine wird durch ein Öffnen der Geschossdecke zweigeschossig und bewahrt sich eine innere Galerie. Die schützende Funktion der Hofarkade bietet in der Ebene des ersten Obergeschosses einen Umlauf zu den jeweiligen Büronutzungen. Die vertikalen Zugänge erfolgen über die bestehenden Treppenhäuser aus der Zeit des Wiederaufbaues. Ab dem 3. Obergeschoss werden im Schmuckhof Maisonettwohnungen geplant.

Schloss Freudenstein, Freiberg

Am Rande der Innenstadt von Freiberg in Sachsen liegt das – ursprünglich 1168 als Schutzburg des Silberbergbaus errichtete – Schloss Freudenstein. Im 16. Jahrhundert entstand auf den Grundmauern der romanischen Burg ein Renaissance-schloss. Mit der vollständigen Vernichtung der Inneneinrichtung in Folge des Siebenjährigen Krieges folgte ab 1762 der Verfall des Schlosses. Im weiteren Verlauf der Geschichte wurde es bis 1979 sehr unterschiedlich genutzt, zuletzt sogar als Lager. 2004 ging das Schloss wieder in das Eigentum der Stadt Freiberg über. 2005 wurde mit einem europaweiten Wettbewerb der Umbau zu einem Ort der Kultur gestartet. Neben dem Sächsischen Bergarchiv zog im Herbst 2008 die bedeutendste Mineraliensammlung Deutschlands in die neugestalteten Räume ein. Als zentrale Aufgabe stellten sich die Berliner Architekten AFF die Vermittlung der unterschiedlichen bauzeitlichen Zustände des Gebäudes sowie die Vermittlung zwischen aktueller Nutzung und historischem Gebäude. Grundstein des Entwurfskonzeptes und der gelungenen Umsetzung war die offene Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege. Nach der Festlegung bestimmender Grundlagen, wie der Rückführung zweier Gebäudeflügel in die Renaissancezeit, dem Erhalt der Speicherfassaden für das Lange Haus und den Kirchenflügel, die Rekonstruktion von Sachsens ersten doppelläufigen Treppenhauses aus dem 16. Jahrhunderts und dem Erhalt prägen-der Elemente aus der Zeit der Speichernutzung konnte sich die Entwurfsarbeit auf die Ausbildung der Neubaubereiche konzentriert. Der neue Schlosshof mit seinem Kristallplattenbelag wird von vier Flügeln umschlossen.

Architekturpreis Beton 2008 – BDA-PREIS SACHSEN 2010
http://www.aff-architekten.com/story/75/schloss-freudenstein.html

Zentrum Taufe St. Petri, Eisleben

Die in wesentlichen Teilen bauzeitliche Kirche St. Petri – Pauli in Eisleben, hat als Taufkirche Martin Luthers die Aura eines weitgehend authentischen Ortes der Reformationszeit. Zu ihrer Hauptfunktion als lebendige Gemeindekirche tritt die Idee ein Zentrum Taufe mit übergemeindlicher und überkonfessioneller Ausstrahlung zu schaffen. Entsprechend der zentralen Idee vom neuen Zentrum Taufe in der historischen Gemeindekirche ist das Hauptmotiv des Entwurfes von AFF Architekten die Einbringung eines neuen, starken Bodens in den gewachsenen Ort. Der neue Boden aus oberflächenbehandeltem Beton schlägt zeitlich eine Brücke in die Gegenwart und stellt räumlich eine Verbindung der wichtigsten Raumteile dar.

Preisträger Architekturpreis Sachsen – Anhalt 2010 Unesco -Weltkuturerbestätte
http://www.aff-architekten.com/story/32/test1.html

Georgenbau Dresdner Residenzschloss, Dresden

Der Wiederaufbau des Dresdner Residenzschlosses wird mit dem Ausbau des Georgenbaus im nordöstlichen Teil der Schlossanlage vollendet. Das Schloss als Sitz der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden wird Schauort herausragender Ausstellungen sächsischer Kunst- und Kulturgeschichte. Neben dem Historischen und Neuen Grünen Gewölbe und der Vielzahl von Einzelausstellungen wird das Schloss zusammen mit den Ausstellungen des Münzkabinetts und der Rüst- und Kunstkammer zu einer „Residenz der Kunst und Wissenschaft“. Im 1.OG verweisen Kunstkammerobjekte wie Handwerkszeug, Instrumente und Waffen in Raumfolgen auf den zeitgeschichtlichen Werdegang. Der Ausstellungsbereich „Weltsicht und Wissen“ wird sowohl durch wandgebundene Objekte als auch raumständige Vitrinen präsentiert. Der museale Rund-gang im 2. OG wird durch einen Wechsel von Kabinetten und Sälen strukturiert.

http://www.aff-architekten.com/story/12/muenzkabinett-der-staatlichen-kunstsammlungen-dresden.html

Bürohaus für den Deutschen Bundestag, Berlin

Das 1895 erbaute Gebäude in der Dorotheenstraße 90 wird für eine Büronutzung der Verwaltung des Deutschen Bundestages hergerichtet und verfügt über eine gute und in Teilen wertvolle Bausubstanz. Die Geschichte des Hauses achtend, wurde die vorliegende Planung auf die optimale Umnutzung des Baudenkmales zu einem modernen Verwaltungsgebäude aus-gerichtet. Erneute Veränderungen an den Außenfassaden vermeidet der Entwurf bewusst. Die im Inneren erforderlichen Eingriffe in die vorgefundene Bausubstanz folgen der Logik der historischen Grundrissstrukturen. So wurden teils historische Raumsequenzen zurückgebaut und andere hingegen neu geschaffen. Entsprechend der Nutzervorgaben wird hier, ein vom Bauherrn vorgegebener hoher Ausstattungsstandart realisiert.

http://www.aff-architekten.com/story/78/sanierung-buerohaus-fuer-den-deutschen-bundestag.html

weitere ausgezeichnete Projekte:

Schutzhütte am Fichtelberg: Preisträger BDA-PREIS SACHSEN 2013
http://www.aff-architekten.com/story/83/schutzhuette-am-fichtelberg.html

ELF Freunde, Berlin: Anerkennung Deutscher Bauherrenpreis 2016
http://www.aff-architekten.com/story/03/elf-freunde.html