WETTBEWERB

Caruso St. John Architects, London

Peter St. John, Thomas Back (ohne Bild)

Adam Caruso und Peter St John gründeten ihr Architekturbüro im Jahr 1990. Caruso St John haben sich seither einen herausragenden Ruf erworben. Mit dem Gewinn des internationalen Wettbewerbs für die New Art Gallery in Walsall im Jahr 1995 erlangte das Architekturbüro große Aufmerksamkeit. Seit ihren frühen Projekten im Bereich der bildenden Künste, wo viel Fingerspitzengefühl für Kontext und Wirkung gefragt ist, hat sich das Betätigungsfeld inzwischen auf eine Reihe von Projekten im öffentlichen und privaten Raum ausgeweitet.

Zu den gegenwärtigen Auftraggebern zählen unter anderem Tate Britain, die Stadtgemeinde Lille, die Bremer Landesbank und die SBB (Schweizerische Bundesbahnen). Caruso St John befasst sich mit vielfältigen Aufgaben in unterschiedlichsten Größenordnungen und wirkt damit dem herrschenden Trend, nur große und spezialisiert Projekte zu bauen, entgegen.

3. Platz: ALTE AKADEMIE – Architekturwettbewerb

Das die Alte Akademie bildende Ensemble von Gebäuden ist einer der wichtigsten Gebäudekomplexe in München. Seine langen Fassaden sowie das Netzwerk rechteckiger Innenhöfe, die zur Zeit der Renaissance ein so bedeutender Eingriff in die mittelalterliche Stadt waren, konnten erhalten bleiben und verleihen diesem Teil der Altstadt Münchens heute eine unverwechselbare Struktur. Ihre jetzige Umnutzung von Verwaltungsbauten hin zu einer gemischten kommerziellen Nutzung ist daher eine wichtige Aufgabe. Die Frage, die sich hierbei stellt, ist nicht nur, wie man historische Gebäude für neue Nutzungsmöglichkeiten modifiziert. Es geht vielmehr darum, wie man die Bedeutung und den öffentlichen Charakter dieses Ortes erhalten kann. Das Ergebnis dieser Umnutzung muss sowohl eine herausragende und markante Einzelhandelslage sein, wie auch ein unverwechselbares Stück Stadt. Der Entwurf muss prägnant genug sein, um im Umfeld der Neuhauser Straße bestehen zu können.

Ein Netzwerk öffentlicher Räume

Der öffentliche Charakter der Alten Akademie wird im Entwurf von Caruso St John Architects in ein Netzwerk öffentlicher und halböffentlicher Wege, Arkaden und Innenräume übersetzt. Die bestehenden Durchgänge an der Hauptfassade an der Neuhauser Straße werden geöffnet und dienen als Eingänge in das Gebäude. Der dahinterliegende Schmuckhof wird zum öffentlichen Raum und gleichzeitig Teil einer neuen Verbindung zwischen Neuhauser Straße und Maxburgstraße. Die Arkaden an der Südseite des ehemaligen Kaufhauses Hettlage und des Kopfbaus der Alten Akademie werden erhalten und zu interessanten, intimen Zwischenräumen vor den Schaufenstern umgewandelt. Des Weiteren entsteht ein neuer prägnanter Innenraum im zweiten Obergeschoss der Alten Akademie, ein „Grand Café“, das die Neuhauser Straße überblickt und sich in Dimension und Lage an den ehemaligen Ausstellungssaal der Kunstakademie anlehnt.

Flexible Einzelhandelsflächen

Der Schmuckhof wird als öffentlicher Innenhof ausgestaltet, mit einer überhohen Erdgeschosszone mit Gewerbeflächen und Wohnungen auf den 5 Etagen darüber. In den Bauteilen Hettlage und Alte Akademie hingegen gibt es auf den zwei obersten Etagen Büroflächen sowie den darunterliegenden Ladeneinheiten zugehörige Nebenflächen. Diese unterschiedlichen Nutzungen wurden bestmöglich in den bestehenden Gebäuden untergebracht, ohne deren Charakter zu kompromittieren. In den Bauteilen Hettlage und Alte Akademie befinden sich flexible Einzelhandelsflächen vom Untergeschoss bis ins zweite Obergeschoss.

Weitere Nutzungen

Die Büroflächen im dritten und vierten Obergeschoss der Alten Akademie und des Kaufhauses Hettlage werden über den zentralen Treppenkern T3 erschlossen und haben eine repräsentative Eingangslobby, die direkt von der Eingangshalle abgeht.

Die zentrale Lage dieses Kerns bietet auch die Möglichkeit, über die Aufzüge von den Büroeinheiten direkt in die Tiefgarage zu gelangen. Im dritten Obergeschoss befinden sich Büroflächen, die um eine begehbare Terrasse angeordnet sind. Sie können entweder als eine Einheit genutzt werden, oder aber in mehrere Kleinere unterteilt werden. Im Dachgeschoss gibt es großzügige Studioflächen, die die ganze Höhe der Dächer ausnutzen und durch eine Reihe existierender und neuer Gauben belichtet werden. Auf beiden Geschossen werden die Büroflächen durch die Neben- und Serviceflächen der Ladeneinheiten ergänzt.

Die Wohnungen, die rund um den Schmuckhof angeordnet sind, werden über 3 Sicherheitstreppenhäuser erschlossen, die alle vom Schmuckhof aus erreichbar sind und individuell identifizierbare Eingänge haben. Während die Wohnungen im nördlichen Flügel Loggien in den Schmuckhof hinein als private Außenräume haben, sind die Wohnungen im westlichen Flügel mit Balkonen in den Wirtschaftshof bestückt.

Kontinuität und Transformation

Die Umformung dieser ursprünglich monofunktionalen historischen Gebäude in einen Gebäudekomplex, der moderne Einzelhandelsansprüche erfüllt, sowohl attraktive Wohnungen wie auch hochwertige Büroflächen bietet, eine Tiefgarage hat und vieles mehr, erfordert substantielle Eingriffe und eine komplette Transformation ihrer Struktur. Dies beinhaltet auch die das Entfernen bestimmter Innenräume, die von Josef Wiedemann entworfen wurden, und als erhaltenswert bewertet werden.

Ein konsequenter Umgang mit allen Aspekten dieses Projektes, vom Übergeordneten bis ins Detail, von den Fassaden und Interieurs bis zum Ausgestalten der Beschilderung und der Beleuchtung können die Alte Akademie zu einem besonderen Ort mit einer individuellen Identität in der Stadt machen.

Der Neue Schmuckhof

Der Schmuckhof wird zu einem öffentlichen Innenhof, der durch zwei offene Passagen mit der Neuhauser Straße im Süden verbunden ist. Des Weiteren wird der Schmuckhof Teil einer neuen öffentlichen Verbindung zwischen der Neuhauser Straße und der Maxburgstraße, die durch den gesamten Block führt und den begrünten Klosterhof miteinschließt. Zum ersten Mal werden diese Höfe entlang der großen Flanke von St Michael Teil des öffentlichen Fußgänger-Netzwerks der Stadt.

Der neue Schmuckhof wird ein ruhiger Ort in der Innenstadt sein, mit Einzelhandelsflächen im überhöhten Erdgeschoss und Wohnungen auf den Etagen darüber. Ein großer Baum wird das Zentrum des Hofes bilden, und verschiedene Sitzmöglichkeiten werden den Passanten zur Verfügung stehen. Die Fassaden entlang des Schmuckhofs werden restauriert und ertüchtigt.

Kaufhaus Hettlage

Die Fassaden des von Josef Wiedemann 1955 gebauten, ehemaligen Kaufhauses Hettlage werden erhalten und restauriert. Von der Neuhauser Straße aus gesehen wird sich das Gebäude äußerlich kaum verändern.. Obwohl moderne Einzelhandelsnutzungen in Obergeschossen eigentlich keine Fenster benötigen, geben die Fenster zur Neuhauser Straße in diesem Fall einen Eindruck der Innenräume wieder und somit dem Gebäude ein Gesicht. Ihre Offenheit sollte erhalten bleiben, um keine Blindfassade entstehen zu lassen. Gleichzeitig ändern sich jedoch die Geschosshöhen hinter der Fassadenschicht, sodass zwei hohe Einzelhandelsgeschosse hinter drei originalen Fensterreihen entstehen. Um die beiden Rhythmen zusammenzubringen, gibt es entlang der Neuhauser Straße in den oberen Geschossen einen überhohen Verbindungsraum, der durch das Zurückziehen der Geschossdecke zwischen erstem und zweitem Obergeschoss entsteht.

Grundrisse zum Download
01_Lageplan
02_Grundriss EG
03_Grundriss 1.OG_ 2.OG
04_Grundriss 3.OG_4.OG
05_2.OG_Café
06_Schmuckhof
07_Kaufhaus_Hettlage
08_Schmuckhof_Fassade
09_Hettlage_Fassade

Hauptsitz Bremer Landesbank, Bremen

Die geplante Fassade nimmt Bezug auf die nordeuropäische Tradition einer ausdrucksstarken Backsteinbauweise. Dunkle und harte Klinker werden pfeilerförmig und in ornamentalen Friesen angeordnet, welche dem Gebäude eine dicke, gemauerte Haut verleihen. Es dominiert der senkrechte gotische Charakter welcher massiv und gleichzeitig delikat erscheint. Eine Referenz auf die Weser-Renaissance, wie sie beim Bremer Rathaus und der Stadtwaage zu finden ist. Hanseatische Tradition von reservierter Qualität. Innerhalb des vertikalen Rasters der Außenmauer markieren ausdrucksstarke Portale die Eingänge zu Hauptsitz und Bankfiliale. Die Bank repräsentiert sich nicht nur durch ihre Fassade sondern auch mit den öffentlichen Innenräumen und der Art der Organisation ihrer inneren Struktur. Das Gebäude umschließt einen großen Innenhof welcher auf einfache und großzügige Weise die innere Funktionalität veranschaulicht. Dieser neu geschaffene zentrale Freiraum ist nach oben hin offen und auf gleicher Ebene mit dem Bürgersteig. Dieser Bereich ist teilweise für die Öffentlichkeit zugänglich und agiert als Vorhof zum Eingang des Hauptsitzes. Das Innere des Gebäudes ist sehr flexibel gestaltet und erlaubt eine größtmögliche Anzahl Büros pro Etage von denen jedes ein Hof- oder Fassadenseitiges Fenster bekommt. Das große Personalrestaurant und die Empfangsräume für Privatkunden sind in den obersten Geschossen gelegen. Von dort aus können sowohl die rund 500 Mitarbeiter als auch das Kader und die Privatkunden dieselbe atemberaubende Aussicht über die Dächer der Stadt genießen.

https://www.bremerlandesbank.de/fileadmin/UEber_uns/110711_BLB_Architektenentwurf.pdf

Royal Philharmonic, Liverpool

Auftraggeber: Royal Liverpool Philharmonic
Projektstatus: Projekt in AusführungCaruso St John wurden 2012 als Architekten für die Sanierung und den Ausbau der Liverpool Philharmonic Hall beauftragt. Das nach Kategorie II* unter Denkmalschutz stehende Bauwerk wurde1939 von Herbert Rowse, einem führenden Liverpooler Architekt, nach Art-Deco-Manier entworfen, wobei der Einfluss des niederländischen Architekten WM Dudok klar zutage tritt.Unser Ansatz zu diesem Projekt war auf drei miteinander verbundenen Teilen basiert. Im vorderen Trakt setzen wir mit der Restaurierung der öffentlichen Räumlichkeiten behutsam an und schlagen verhaltene Eingriffe vor, mit denen funktionale Unzulänglichkeiten beseitigt werden sollen und der Innenbereich des Konzerthauses eine neue Frische erhalten wird. Für den Zuhörerraum und das Podium sind weitergehende Maßnahmen zur Behebung bestehender Mängel erforderlich. In diesen Bereichen werden bühnentechnische Einrichtungen, Saal- und Bühnenbeleuchtung wie auch die Innenanlagen innerhalb der bestehenden innenarchitektonischen Ausgestaltung komplett erneuert. Die Hinterbühneneinrichtungen, Verwaltungsräume und der zweite Saal werden mit der Wiedererrichtung des hinteren Anbaus am radikalsten verändert.

http://www.liverpoolphil.com