WETTBEWERB

Hild und K Architekten, München

Partner: Dionys Ottl – Andreas Hild – Matthias Haber

Regine Keller – Landschaftsarchitektin

Das 1992 als Hild und Kaltwasser gegründete Büro Hild und K wird seit 1999 von Andreas Hild gemeinsam mit Dionys Ottl geführt. Seit 2011 verstärkt Matthias Haber als dritter Partner das Führungsteam. Zum professionellen Erfolg von Hild und K trägt ein hoch engagiertes Team vielseitig qualifizierter Mitarbeiter bei.

Architektur kommt hier nicht von der Stange. Die Konzepte entstehen im intensiven und vorbehaltlosen Dialog mit dem Bauherrn. In der Auseinandersetzung mit der jeweiligen Aufgabe entwickeln Hild und K eigenwillige Lösungen, welche die jeweilige architektonische Fragestellung sensibel und intelligent beantworten.

Wer hohe Ansprüche stellt an die konstruktive Qualität eines Bauwerks, das den Mainstream zeitgenössischer Architektur hinter sich lässt, ist hier richtig: Geistvoll nimmt die Arbeit Stellung zum architektonischen Diskurs und seinen gesellschaftlichen Voraussetzungen. Die Erfahrung mit vielfältigen und komplexen Strukturen und Bauaufgaben ermöglicht es, gemeinsam mit dem Bauherrn ungewöhnliche Wege zu gehen. So entstehen Gebäude von ganz eigenem Charakter, Spiegel der Kreativität, der Offenheit und der architektonischen Ernsthaftigkeit, die das Büro auszeichnen.

ALTE AKADEMIE – Realisierungswettbewerb:

Bei Umbauprojekten ist es meist schwierig, die eine große Idee zu produzieren. Umbau ist uneinheitlich, widersprüchlich, meist wirft eine Idee mindestens so viele Fragen auf, als sie löst. Ist das in einem Umbau eines einzelnen Gebäudes schon schwierig, so ist es beim Umbau der Alten Akademie noch mal schwieriger. Es wird nämlich nicht ein Haus umgebaut, sondern ganz viele verschiedene Häuser, die ihrerseits auch schon mehrmals überformt wurden.

Gemäßigt moderner Wiederaufbau neben Rekonstruktion, Interpretativer Wiederaufbau neben Neubau. All diese verschiedenen Bauzustände sind ineinander verschränkt, miteinander verwoben. All diese Geschichten sind am Ort und in den Köpfen der Menschen überlagert, verknüpft.

Die Öffnung der Arkaden

Bei der Frage der Öffnung der Arkaden berühren sich für Hild und K Architekten viele Fragestellungen. Natürlich sind die Arkaden Teil der Stadtidee, der Wiederaufbauzeit. Aber sie sind als Räume, gerade auch an dieser Stelle, nicht positiv erlebbar. Andererseits kann die Stadtgesellschaft auch nicht wollen, dass alle öffentlichen Innenräume einfach privatisiert werden.

Hild und K Architekten schlagen daher einen Mittelweg vor. Der von Wiedemann als Ausstellungsraum bezeichnete Gebäudeteil in der Alten Akademie sollte in seiner ursprünglichen Größe wieder hergestellt werden. Es gibt solche Räume in vielen italienischen Städten, beispielsweise in der Galleria Alberto Sordi in Rom. Man kann schnell einen Espresso trinken, von dort aus Geschäfte betreten, die auch eine Anbindung an die Neuhauserstrasse haben. Man ist in einem privat genutzten, öffentlichen Raum. Ein öffentlicher Raum, den es in dieser Form in München nicht gibt, der zum italienischen Flair der Stadt aber hervorragend passen würde.

Im Gegenzug können die Arkaden als Retailflächen genutzt werden. Wichtig wäre dabei, dass man alle Verglasungen zur Straße tatsächlich öffnen kann. Hild und K Architekten würden die Tiefe der Arkade im neuen Haus ablesbar lassen, und eventuell hier eine Verbindung belassen, selbst wenn die Arkade von unterschiedlichen Geschäften bespielt wird. Eine Verbindung, die einerseits dem Bild des Handels in einer Arkade entsprechen würde, andererseits für die Geschäfte einen Mehrwert bietet, wenn es eine trockene Verbindung zwischen den Einheiten gibt.

Akademievitrinen

Entlang der Neuhauserstrasse bildet die Alte Akademie einen hohen Sockel aus. Würde man an solch einer Stelle neu bauen, würde man vollkommen selbstverständlich eine stärkere Kommunikation der Erdgeschossnutzung mit dem öffentlichen Raum fordern.Durch eingeschobene Vitrinenkästen soll hier die neue Nutzung angezeigt werden. Die Vitrinenkästen sind so ausgebildet, dass sie zusammen mit den alten Fenstern eine neue Einheit bilden. Der Sockel bleibt weiter spürbar, die Neue Nutzung wird sichtbar, ähnliche Situationen gibt es an der Ludwigstraße wo Retail in einen noch dominanteren Sockel sehr selbstverständlich eingepasst wurde.

Akademyhall

Das Herzstück der alten Akademie war im Original ein großer Saal der nach der Zerstörung, von Wiedemann zu einem langen schmalen Raum umgedeutet wurde. Hild und K Architekten denken, dass zu diesem Gebäude ein großer Raumzusammenhang gehört, um es in seiner Präsenz in der Stadt zu verankern. Gleichwohl ist die Wiedemannsche Lösung heute schlecht brauchbar und räumlich durch die hohen Brüstungen und das Ausblenden der runden Fenster nicht befriedigend.

Hild und K Architekten schlagen daher vor, einen komplett neuen Saal zu schaffen, der sich auf die Höhe des alten Saales bezieht, die Länge aus dem Original und die Tiefe von der Wiedemannfassung ableitet. Erst auf dem Galeriegeschoss kann man die ursprüngliche Dimension erleben. Es entsteht ein neues Raumvolumen, die Academy Hall, als Gastronomie mit Ausblick genutzt.

Altstadtwohnen

Der zentral erschlossene Wohnhof auf dem ehemaligen Hettlage ist als weiterer grüner Hof im Geflecht der Alten Akademie konzipiert. Von einem gedeckten Gang gehen schmale Wohnungen ab, die ähnlich wie Townhouses organisiert sind. Dabei wird das Dach des ehemaligen Hettlage in der Dachneigung an die anderen Neigungen angepasst und so in die Dachlandschaft integriert. Es entsteht ein Wohnen über zwei Geschosse mit einer Orientierung nach außen über die Stadt und einem kontemplativen Hof als Zentrum.

In den übrigen Dächern sind die Wohnungen um eine „ rue interieure“ organisiert. diese „rue interieur“ erschließt zusammenschaltbare Maisonetten und kann mit wenigen Treppenhäusern an den jeweiligen Enden erschlossen werden Die Wohnungen orientieren sich durch große Dachflächenfenster zu den Höfen und zur Stadt und bilden so mit den Dächern des erzbischöflichen Ordinariats eine Einheit in der Dachlandschaft.

Der gemalte Hof

Die Alte Akademie ist in ein Geflecht von Höfen eingebettet. Dieses Hofsystem reicht von der Neuhauserstrasse bis zur Maxburg. Fernziel muss es sein, diese Hofsystem so durchlässig zu machen, dass man durch diese Räume bis zum Hof der Maxburg gelangen kann.

Hild und K Architekten sehen den Hof hinter der Alten Akademie daher als einen Auftakt zu dieser Durchwegung. Eine Art Passagenhof, den Hild und K Architekten mit einem Restaurant in der alten Kantine beleben, und mit vorgesetzten Schaufenstern ähnlich einer englischen Arkade ausstatten wollen.

Außenanlagen

Der Schmuckhof wird als multifunktionaler Innenhof formuliert, der sowohl den Anforderungen der gewerblichen Nutzung als auch der historischen Situation Rechnung trägt. Das ornamental, architektonisch ausgeprägte Pflaster, das als Teil des erhaltenswerten Ausstattungsdetailreichtum der Alten Akademie verstanden wird, wird saniert und erhalten. Eine dezente Ergänzung durch in das Pflaster eingelassene Messingbänder betont die hohe Wertigkeit und zeigt die geometrische Vielfältigkeit des Ornaments.

Der Dachgarten, oberhalb des ehemaligen südlichen fünften Innenhofs, orientiert sich in seiner Gestaltung an einer Rekonstruktion des Charakters eines ruhigen nach innen gewandten Innenhofs. Die Bepflanzung stellt durch eine geometrisch-verformte Adaption des Musters aus dem Schmuckhof einen visuellen und ideellen Bezug zum Schmuckhof und zum Gesamtensemble her.

Louis Hotel am Viktualienmarkt, München

Andreas Hild, Matthias Haber und Dionys Ottl standen bei diesem Projekt vor der Aufgabe, einen Bezug zur Altstadt zu finden, ohne die Anforderungen an modernes Bauen zu vernachlässigen. Sie entschlossen sich zu einer Neuinterpretation unterschiedlicher Münchner Bautraditionen, des Barocks und der Wiederaufbauarchitektur der fünfziger Jahre, augenfällig repräsentiert durch die beiden unmittelbar benachbarten Gebäude am Rindermarkt, das zu Münchens ältester Gemeinde gehörige Peterskirchen-Pfarrhaus und das Kaufhaus Kustermann. Das architektonische Konzept verschränkt beide Stilrichtungen, am eindeutigsten vielleicht auf der Kopfseite des Hotels. Vom Viktualienmarkt sichtbar erzeugt die regelmäßige Anordnung der raumhohen Fenster mit französischen Balkonen eine moderne Anmutung der Fassade. Zugleich sorgen Stuckprofile um die Fensteröffnungen für barocke Bewegtheit. Hier finden sich auch die mächtigen Lettern, die sich als Putzrelief von der dritten bis zur fünften Etage vertikal über die Hauswand ziehen. Sie bilden das Wort „Hotel“ und geben so weithin sichtbar Auskunft über die Nutzung des Gebäudes.

www.louis-hotel.com

 

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