WETTBEWERB

LRO Lederer Ragnarsdottir Oei, Stuttgart

Prof. Arno Lederer, Marc Oei, Jórunn Ragnarsdóttir

Im 1979 gegründeten Büro von Lederer Ragnarsdóttir Oei sind derzeit rund 45 Mitarbeiter beschäftigt. Um eine möglichst hohe Identifikation mit den Projekten zu erreichen, wird in kleineren Teams gearbeitet. Diese sind für die gesamte Dauer eines Bauvorhabens zusammen und arbeiten intensiv miteinander.

Regelmäßige Wettbewerbsteilnahmen gehören neben der Bearbeitung laufender Projekte zu den entscheidenden Aufgaben. Nicht nur, weil sie die Chance eines Auftrags für ein neues Projekt eröffnen, sondern auch deshalb, weil Lederer Ragnarsdóttir Oei darin eine stimulierende Auseinandersetzung mit aktuellen Themenstellungen sieht.

Erste Skizzen, die bereits ein übergeordnetes Entwurfskonzept erkennen lassen, differenzierte Flächenanalysen und Arbeitsmodelle zählen hier zu den wesentlichen Schritten.

Unter den Wettbewerbserfolgen, die in den letzten Jahren erzielt werden konnten, finden sich das Historische Museum in Frankfurt a.M., das Büro- und Geschäftshaus „Kaiserkarree“ in Karlsruhe sowie das Stadtmuseum Stuttgart. Auch die für das Büro wichtigen Projekte Duale Hochschule Lörrach, Kloster Hegne Marianum in Allensbach, Kunstmuseum Ravensburg, Neubau und Sanierung des Bischöflichen Ordinariats in Rottenburg am Neckar und der Neubau Hospitalhof in Stuttgart gehen zurück auf Wettbewerbserfolge.

ALTE AKADEMIE – Realisierungswettbewerb:

Das Architekturbüro Lederer + Ragnarsdóttir + Oei (LRO) vertritt die Ansicht, dass die Voraussetzung für das Bauen in der Stadt, die Aufwertung des öffentlichen Raums ist. Jede bauliche Änderung muss der Stadt etwas zurückgeben. Um dieses Ziel zu erreichen, haben LRO für das Projekt „Alte Akademie“ folgende Strategie entwickelt:

Schmuckhof

Der Schmuckhof wird wieder in das Netz der Wege und Plätze der Stadt eingebunden. Damit das gelingen kann, werden die beiden Portale am Ostflügel der „Alten Akademie“ geöffnet und in zwei öffentliche Arkaden verwandelt, die den Schmuckhof mit der Neuhauser Straße verbinden. Um die Geschichte des Ortes wieder erlebbar zu machen, schlagen LRO im Schmuckhof einen umlaufenden Wandelgang vor. Diese Maßnahme manifestiert die ursprüngliche Nutzung des Gebäudeensembles und verleiht dem Freiraum eine unverwechselbare Aura mit einem historischen Hintergrund.

Im Erdgeschoß der umliegenden Bauten sieht LRO öffentliche Nutzung und im Nordflügel, an der Schnittstelle zu dem Klosterhof, ein Speiselokal vor. Mit einer großflächigen beidseitigen Verglasung intensiviert der schöne Blick in den nördlichen Klosterhof die Aufenthaltsqualität in dem Gastraum und macht die Größe des Gevierts spürbar. Dem Kantinentrakt kommt ebenfalls eine neue Nutzung zu. Eine kulturelle Nutzung wie z.B. eine Ausstellungsfläche im Obergeschoß und Lese- und Vorlesebereiche für literarische Neuerscheinungen in den beiden anderen Geschoßen sollen junge Künstler zu spontanen Auftritten animieren. Eine Kombination mit einem Café würde im Schmuckhof für gewünschte Lebendigkeit sorgen und eine Anziehungskraft auf alle Bürger ausüben. Gegenüber dem Kantinentrakt könnten mehrere kleine Läden die Attraktivität des Ortes unterstreichen. Die Fassaden von Josef Wiedemann prägen nach wie vor die Atmosphäre im Schmuckhof und werden bis auf das Erscheinungsbild im Erdgeschoß denkmalgerecht saniert. Die gewünschten Nutzungen im Erdgeschoß erfordern höhere Räume, die in der Konsequenz eine neue Gestalt der Fassaden verlangen.

Um eine höhere Transparenz zwischen der Neuhauser Straße und dem Schmuckhof herzustellen, haben LRO alle Fenster im Erdgeschoß der Alten Akademie nach unten hin vergrößert. Die Fenster können als Schaufenster dienen, während die neuen Eingänge seitlich in den beiden Arkaden und an der Nordseite des Gebäudes vorgesehen sind.

Die Ostfassade des giebelständigen Bauteils haben LRO auf seine ursprüngliche Gestalt zurückgeführt. Dabei geht es keineswegs um einen historischen Rückbau des Gebäudes. LRO wollen im besten Sinne ein logisches Fortschreiben der Gebäudetypologie, damit die Fassade dem prominenten Standort in der Achse der Neuhauser Straße wieder gerecht wird. Leider ist der axiale Aufbau der Fassade in der Zeit des Wiederaufbaus verloren gegangen. Die Rundbögen als Eingang in die Passagenhalle sind eine funktionale Erfindung der Nachkriegsmoderne und werden als solche nicht mehr benötigt. In diesem Zusammenhang verzichten LRO auf den Erhalt der Passage. Dadurch entsteht ein größerer öffentlichen Platz vor der „Alten Akademie“, und die Nutzung der Gebäude wird direkt an die Straße geführt.

Aus mehreren Gründen wollen LRO das Kaufhaus Hettlage weitgehend zurückbauen. Durch die Jahrhunderte hat der Giebelbau der „Alten Akademie“ als ein Scharnier zwischen den beiden seitlichen Flügeln gedient. Das Zurücksetzen des Kaufhauses an der Neuhauser Straße sowie die Verlängerung des Bauteils Richtung Westen haben den Fußabdruck im Stadtgrundriss stark geändert. Es wird deutlich, dass das Konzept der Nachkriegsmoderne, die Bauten in ihrer Dimension und Proportion zu vereinheitlichen, der gesamten baulichen Entwicklung des Gevierts widerspricht.

Um den alten Grundriss der Stadt wieder herzustellen, haben LRO die neue Gebäudekante parallel zu dem giebelständigen Bau der Akademie wieder aufgenommen und die historische Raumkante der Kapellenstraße korrigiert. Um das Erscheinungsbild zur Stadt hin zu vervollständigen, haben LRO die Traufe und die Dachneigung des Ostflügels im Neubau übernommen. Die Gestaltung der Fassaden orientiert sich an der Gliederung der historischen Fassaden und transformiert das Vorhandene zu einem neuen und gleichzeitig zu einer Erinnerung an das ursprüngliche Erscheinungsbild.

Die Rückfassade des ehemaligen Kaufhaus Hettlage bleibt bestehen, da der Werkhof in seiner Gestalt von untergeordneten Fassaden des Wiederaufbaus geprägt wird. Dort soll weiterhin das Konzept der Vereinheitlichung und Vereinfachung der Nachkriegsmoderne sichtbar bleiben.

Im Schmuckhof bleibt das archäologische Bodendenkmal in seiner ursprünglichen Form. Die beschädigte Esche wird durch einen großvolumigen Laubbaum in der Mitte der Hoffläche ersetzt. In der steinernen Stadt soll ein einziger Baum den Raum versinnlichen, indem er die Jahreszeiten optisch und akustisch erlebbar macht. Die Schließung der Passage vergrößert die Platzfläche und ermöglicht dadurch eine neue Gestaltung mit einem differenzierten Angebot für den öffentlichen Raum. Die Zugänge zum Schmuckhof und der axial gelegene giebelständige Eingang der „Alten Akademie“ werden in das Freiraumkonzept eingebunden.

Die gewünschten Nutzungen und deren Anforderungen im Gebäudekomplex sind erfüllt. Die Zugänge der kommerziellen Nutzungen sind von den Eingängen für Büroflächen und Wohnungen klar getrennt. Die Erschließungskerne aller Nutzungseinheiten übernehmen aus wirtschaftlichen Gründen die Aufgabe der geforderten Fluchtwege. Auf den Dächern sind einheitliche und rhythmisch angeordnete schlichte verglaste Dachgaupen geplant. Diese sind notwendig, um eine gute natürliche Belichtung und Belüftung der Wohneinheiten in den Dachgeschoßen zu sichern.

Einzelne Räume und größere Flächen für den Verkauf sind konsequent nach Inhalt und Nutzung angeordnet. So weit es geht, haben LRO versucht, in allen Räumen maximale Flexibilität und Raumerweiterung zu ermöglichen. Die einfache und klare Tragstruktur der Gebäude ist vorteilhaft, weil sie niedrige Baukosten verspricht und für alle gleichermaßen leicht zu begreifen ist.

Historisches Museum Frankfurt

Das alte Historische Museum, das 1972 als wegweisender, preisgekrönter moderner Betonbau errichtet worden war, wurde 2011 abgerissen. Der Neubau besteht aus zwei separaten Baukörpern mit rötlichen Sandsteinfassaden. Der neue Museumskörper mit zwei Spitzgiebeldächern, die mit grauem Schiefer eingedeckt sind, ist ca. 70 Meter lang. Das Museum dient der Ausstellung des Bestandes, zu dem neben den historisch bedeutsamen Gegenständen auch Kunst gehört.

Diözesan-Archiv und Bischöfliches Ordinariat Rottenburg

Zusammenlegung der Diözesankurie und Erweiterung des Diözesanarchivs am Bischöflichen Palais mit Verwaltungsnutzung in Rottenburg. Neubau und Sanierung mit Denkmalschutz. Hauptnutzung im Neubau: Verwaltung.

Als Entwurfsgrundlage diente der barocke Lageplan, in dem die Dominanz des Kirchengrundrisses vorgesehen ist. Vom neuen Ensemble – der großen Halle und der körperhaften Mauer – soll eine ähnliche Klarheit ausgehen, wie sie in den Plänen von 1774 und 1659 vorgefunden wurde. Die große von oben belichtete Halle, die für unterschiedliche Veranstaltungen der Diözese zu nutzen ist, öffnet sich zur Stadt. Sie ist Auftakt und Gelenk, das alle Einrichtungen und Abteilungen der gesamten Anlage miteinander verbindet.

http://www.archlro.de/de/projects/projects-culture-and-church/diozesan-archiv-und-bischofshaus-rottenburg?order=years

Kunstmuseum, Ravensburg

Der Neubau Kunstmuseum Ravensburg ist das weltweit erste zertifizierte Museum in Passivhaus-Bauweise. Die Basis der Ausstellungen bildet die Sammlung Peter und Gudrun Selinka. Die Gestaltung des Kunstmuseums bezieht sich auf die Architektur der Stadt: Sowohl mit seiner Materialität des recycelten Ziegelmauerwerks als auch mit seiner stadträumlichen Einbindung reagiert das Museum auf die Besonderheiten dieses zentralen Ortes. Der historisch geprägte Kontext wird als wichtiger Bezugspunkt des Entwurfes herausgestellt.

http://www.archlro.de/de/projects/projects-culture-and-church/kunstmuseum-ravensburg?order=years

Kunstmuseum Ravensburg

Der Neubau Kunstmuseum Ravensburg ist das weltweit erste zertifizierte Museum in Passivhaus-Bauweise. Die Basis der Ausstellungen bildet die Sammlung Peter und Gudrun Selinka. Die Gestaltung des Kunstmuseums bezieht sich auf die Architektur der Stadt: Sowohl mit seiner Materialität des recycelten Ziegelmauerwerks als auch mit seiner stadträumlichen Einbindung reagiert das Museum auf die Besonderheiten dieses zentralen Ortes. Der historisch geprägte Kontext wird als wichtiger Bezugspunkt des Entwurfes herausgestellt.

http://www.archlro.de/de/projects/projects-culture-and-church/kunstmuseum-ravensburg?order=years

Sanierung und Erweiterung Hessisches Staatstheater und Georg-Büchner-Anlage Darmstadt

Das Staatstheater wurde 1972 von Architekt Rudolf Prange gebaut und nimmt drei Bühnen auf: Großes Haus, Kleines Haus und die Werkstattbühne mit einem Werkstatt-Café. Das in die Jahre gekommene Theater bedurfte einer grundsätzlichen Instandsetzung. Der technische Zustand, die Infrastruktur und die architektonische Erscheinung wurden verbessert. Eine Ersatzspielstätte für die Zeit der Sanierung der Spiel- und Funktionsräume wurde errichtet. Hierfür wurde die vorhandene Tiefgarage in ein Theaterprovisorium umgebaut. Gleichzeitig wurde ein neues Erschließungsbauwerk aus weißem Beton errichtet, das in seiner expressiven Erscheinung das Bild des Theatervorplatzes und des gesamten Theaters wesentlich veränderte.

http://www.archlro.de/de/projects/projects-culture-and-church/hessian-state-theatre-darmstadt-2003-2006?order=years