WETTBEWERB

Peter Kulka Architektur, Köln/Dresden

Entwurf: Prof. Peter Kulka

Geschäftsführung: Katrin Krüger

Peter Kulka gehört zu den wichtigsten Vertretern seines Fachs in Deutschland. Bezeichnend für seine Bauten der letzten Jahre ist die knappe, minimalistische Gestalt. An ihrem Anfang stand der Sächsische Landtag in Dresden. Seither ist Kulka mit zahlreichen gestalterisch höchst ambitionierten Arbeiten hervorgetreten. Zu den bekanntesten Bauten und Entwürfen von Kulka zählen neben dem Sächsischen Landtag in Dresden das «Haus der Stille» der Abtei Königsmünster in Meschede, das Bosch Haus Heidehof in Stuttgart sowie die Neugestaltung des Kammermusiksaals und des Foyers im Konzerthaus Berlin, dem ehemaligen Deutschen Schauspielhaus von Karl Friedrich Schinkel.

Das Spektrum der Projekte und Entwürfe reicht von futuristischen Entwürfen wie dem Stadion in Chemnitz über zeichenhafte Gebäude wie dem Neubau der Berufsfeuerwehr Heidelberg und dem Gebäude der Wasserschutzpolizei im Elbhafen von Hamburg bis hin zu dem differenzierten Umgang mit dem Thema Bauen im Bestand. Hierfür stehen der Wiederaufbau und die Neugestaltung von Teilen der Residenz in Dresden, das Deutsche Hygiene-Museum, die Galerie für zeitgenössische Kunst in Leipzig und jüngst der Umbau der ehemaligen Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt zum Forschungszentrum für Senckenberg.

ALTE AKADEMIE – Realisierungswettbewerb:

Entwurfsgrundsatz

Ein für das Büro Peter Kulka Architektur wichtiger Punkt bei der Arbeit im denkmalgeschützten Bestand ist die Bedeutung von Zeitschichten und deren Erlebbarkeit. Die unterschiedlichen Bauteile der Alten Akademie formen heute ein komplexes Ensemble verschiedener Bauzeiten. Diese sollen beibehalten werden, ohne einer zeitgemäßen Umnutzung im Wege zu stehen und Raum für neue Interpretationen zu lassen. Substanziell und architektonisch sind die drei Bauteile Hettlage, Alte Akademie und Schmuckhof getrennt zu betrachten, um die bestehenden baulichen Strukturen und die neu einzubringenden Nutzungen zu vereinen:

Alte Akademie

Peter Kulka Architektur vertritt die Ansicht, dass das größte Problem der Alten Akademie der bauliche Gegensatz aus Fassade und innerer Struktur ist. Die bestehenden Decken liegen so ungünstig, dass die historische Fassade aus dem Innenraum nicht erlebbar ist. Zudem lässt die Struktur eine Nutzung für Einzelhandel momentan nicht zu. Wichtige bauliche Strukturen und Raumkanten werden bei der Neuordnung der Grundrisse beibehalten um die Identität des Gebäudes weiterhin zu transportieren. Eine nutzbare Chance bei der Bearbeitung der Alten Akademie ist auch eine stückweite Rückführung der Räume zu Ihrer historischen Aussage.

Hettlage

Das Hettlage erfährt von allen Bauteilen die größte inhaltliche Veränderung. Sowohl der Wunsch nach einer Unterbauung mit einer mehrgeschossigen Tiefgarage, als auch die Anforderungen an moderne Verkaufsräume machen eine nahezu vollständige Entkernung notwendig. Dies bietet die Möglichkeit, das Gebäude neu zu denken. Entsprechend der Klarheit seiner Fassade wird eine ebenso klare innere Struktur implantiert. Ein neues Dach spannt den städtebaulichen Bogen zur Alten Akademie und setzt ein neues Zeichen.

Schmuckhof

Die bauliche DNA der Gebäudeflügel um den Schmuckhof ist für eine Büro- oder Wohnnutzung gut geeignet. Tiefere Eingriffe in die Struktur werden daher nicht notwendig. Der Hof als zentrales Bindeglied des Ensembles wird neu erschlossen und mit öffentlichen Nutzungen im Erdgeschoss belebt und aufgewertet. Ein Öffnen der Erdgeschossfassaden zum Hof und ein neues Konzept für die Platzfläche tragen zu einer weiteren Belebung bei. Zudem wird eine farbliche Neuinterpretation der Fassaden die Entwurfsidee Wiedemanns aus den 50er Jahren in die heutige Zeit übersetzen.

Nutzungsverteilung

Die Bauteile Hettlage und Alte Akademie beinhalten vom Untergeschoss bis ins zweite Obergeschoss sinnvoll und klar aufteilbare Einzelhandelsflächen. Im Geschoss darüber befinden sich Nebenräume und Lager des Einzelhandels, sowie teilweise Büros. Das Dachgeschoss über der Alten Akademie und das neue Dachgeschoss über dem Hettlage werden ebenfalls mit Büronutzung versehen. Im Erd- und Zwischengeschoss des Nord- und Westflügels am Schmuckhof ist Gastronomie sowie eine kleinere Einzelhandelsfläche vorgesehen. Der dreigeschossige Anbau vor der St. Michael Kirche wird ebenfalls gastronomisch genutzt. Vom ersten bis ins fünfte Obergeschoss des Schmuckhofs werden ausschließlich Wohnungen angeordnet.

Strukturelle Eingriffe und Erhalt

Eine der wichtigsten Fragen, die es zu beantworten galt, hat den Umgang mit der Kolonnade in Hettlage und Kopfbau entlang der Neuhauser Straße zum Thema. Diese Unterführung wurde in der Nachkriegszeit notwendig, um Passanten aus dem stark befahrenen Straßenraum zu halten. Ein Eingriff, der der einstigen städtebaulichen Prägnanz des Kopfbaus an Bedeutung nahm. Da die Neuhauser Straße mittlerweile nicht mehr motorisiert befahren wird, ist der Nutzen einer tiefen Kolonnade nicht mehr vorhanden. Moderne Einzelhandelsflächen werben grundsätzlich gern unmittelbar am Käuferstrom. Bei Hettlage ist diese Situation einfach zu schaffen. Anders verhält es sich bei der Alten Akademie, aus Respekt vor dem Denkmal zeigen sich die Schaufenster eher introvertiert – eine bewusst erhaltene Exklusivität.

Besonders wertvolle Räume und Raumstrukturen wie die Eingangshalle oder einzelne Treppenhäuser genießen Bestandsschutz. Darüber hinaus sollen auch für die Struktur und Ordnung der Bauteile wichtige Wände erhalten bleiben. Für eine dauerhafte und flexible Nutzbarkeit wird ein schwellenloser Übergang sämtlicher Geschossdecken der Einzelhandels- und Büroflächen in Hettlage und Alter Akademie hergestellt. Im Erdgeschoss werden die Einzelhandelsflächen durch die ehemalige Eingangshalle voneinander getrennt, welche einen der bedeutendsten Räume der Anlage darstellt. Dieser Raum bleibt in seiner Materialität und Form original erhalten, durch die dauerhafte Öffnung beider Fassaden erhält der Raum jedoch eine völlig neue Rolle als öffentlicher Durchgang von der Neuhauser Straße in den Schmuckhof.

Im zweiten Obergeschoss der Alten Akademie wird die ehemalige Bibliothek reanimiert und modern übersetzt. Der Raum wird bis in das darüber liegende Geschoss erhöht, um die ovalen Fenster wieder zu integrieren und die repräsentative Höhe des ursprünglichen Raumes wieder zu gewinnen. Im Zentrum des Hettlage steckt sich ein großzügiges Atrium vom Erdgeschoss bis ins Dach und bringt so Tageslicht tief in die Verkaufsebenen.

Das neue Dach über dem Bauteil Hettlage entspricht in seiner Neigung nach außen den Dächern des gesamten Gevierts. Es vervollständigt damit die städtebauliche Figur und gliedert sich mitsamt dem 50er Jahre Bau darunter in das Ensemble ein. Nach innen staffelt sich das Dach zu einem Dachgarten herunter. Das neue Dach schafft Raum für exklusive Büros, die teilweise um den Dachgarten angeordnet sind und zum Teil auf die Neuhauser und die Kapellenstraße hinausschauen. Die Büroflächen im fünften Obergeschoss können in bis zu drei separat erschließbare Einheiten unterteilt werden.

Im Bauteil Schmuckhof bleibt die Grundstruktur der Gebäude unberührt. Ein neues Treppenhaus im Westflügel sorgt für die Erschließung der Wohnungen. Im Erdgeschoss und Zwischengeschoss von West- und Nordflügel werden entlang des Schmuckhofs Lufträume eingezogen um den neuen Nutzungen Gastronomie und Einzelhandel den notwendigen Raum zu geben. Diesen Eingriff macht Peter Kulka Architektur auch in der Fassade sichtbar. Im Duktus der Bestandsfassaden werden die unteren beiden Fensterebenen zusammengefasst und bis auf den Boden geführt.

Alle größeren Wohneinheiten am Schmuckhof erhalten Loggien, welche hinter der Bestandsfassade liegen. Die 1-Zimmer Appartements können optional ebenfalls mit Loggien ausgestattet werden. Das fünfte Obergeschoss des Nordflügels wird größtenteils mit 3-Zimmer Maisonette Wohnungen belegt, welche in der unteren Ebene eine Loggia erhalten. So kann auf Einschnitte im Dach verzichtet werden. Die Grundrisse der Wohnungen sind offen und flexibel angelegt und entsprechen weitestgehend dem angefragten Wohnungsschlüssel.

Freiraumkonzept Schmuckhof

Durch die Öffnung der ehemaligen Eingangshalle als Durchgang in den Schmuckhof wird dieser zum ersten Mal in seiner Geschichte öffentlich zugänglich. Diese neue Rolle des Hofs im gesellschaftlichen Gefüge der Stadt wird durch die neuen Nutzungen und die Öffnung der Erdgeschosszonen gestützt und auch die Fläche des Hofs trägt zur Neuinterpretation bei. Das ursprüngliche Platzniveau wird im Bereich der schmuckvollen zentralen Pflasterfläche gehalten. Vom südwestlichen, höher liegenden Durchgang zur Neuhauser Straße fällt das Niveau um den Rand der Platzfläche verlaufend zur nördlichen Platzkante ab. Flache Treppenstufen bilden den Übergang zur mittigen Schmuckfläche.