Wettbewerb

staab ARCHITEKTEN, Berlin

Die komplexen Bedingungen von Architektur zu einer einfachen, plausiblen Gestalt zu verdichten, ist ein wesentliches Anliegen der Arbeit von Staab Architekten. Dabei spielen kontextuelle, funktionale, wirtschaftliche und technische Bedingungen eine ebenso wichtige Rolle wie formale Aspekte, die sich aus der Logik eines Baukörpers entwickeln.

Der Umgang mit der Topografie des jeweiligen Ortes, die Interpretation und Einbindung von vorgefundenen baulichen Gegebenheiten sowie die zeitgemäße Verwendung auch regionaler Materialien bilden den Fundus, aus dem heraus die jeweiligen Konzepte entwickelt werden.

Die Konzentration auf das Wesentliche steht im Mittelpunkt und wird mit dem behutsamen, konzeptionellen Einsatz von Form, Material und Farbe bis ins Detail verfolgt.

Mit dieser Herangehensweise widmet sich das Büro einem breiten Spektrum unterschiedlichster Bauaufgaben, das von Neubauten, die in sensible Stadt- und Landschaftsräume eingefügt werden, bis zu Umbauten und Neuinterpretationen von denkmalgeschützten Gebäuden reicht. Schwerpunkte der Tätigkeit bestehen in der Planung  und Ausführung von Kulturbauten, Forschungs- und Lehrgebäuden und Büro- und Verwaltungsgebäuden.

ALTE AKADEMIE – Realisierungswettbewerb:

Gestalterischer und denkmalpflegerischer Umgang mit dem Bestand

Das denkmalpflegerisches Konzept von Staab Architekten sieht daher eine Herangehensweise vor, die je nach Anteil der vorgefundenen historischen Bausubstanz variiert. Je mehr an originaler Substanz erhalten ist, desto mehr nähert sich das zu ergänzende Bauteil gestalterisch an diesen Bestand an. Alle Ergänzungen bleiben in der Intensität der Oberfläche hinter dem historischen Bestand zurück. Ziel ist ein atmosphärisch stimmiges Gesamtbild, welches Bestehendes mit Neuem kombiniert und collagiert. Durch die einheitliche Materialität aus hellem Sichtbeton und Baubronze sind alle Neubauteile eindeutig lesbar, fügen sich aber sensibel in den Bestand ein und ergänzen diesen. Diese Grundhaltung wenden Staab Architekten an allen Bauteilen an.

Dachlandschaft

Das Ziel der Sanierung ist es, das Ensemble ,Alter Hof’ als eine der größten zusammenhängenden Dachlandschaften in der historischen Altstadt Münchens zu bewahren, und die einheitliche Erscheinung in Anlehnung an das historische Bild mit den neuen Nutzungen zu vereinen. Diesem Grundgedanken folgend, werden für die drei Bauteile Alte Akademie, Schmuckhof und Hettlage unterschiedliche konstruktive Lösungen vorgeschlagen, die jedoch eine gestalterische Einheit um Ziel haben. Das historische Bild einer zusammenhängende Dachlandschaft aus Satteldächern mit roter Ziegeldeckung und in die Dachfläche integrierte Gauben wird sensibel an die heutige Nutzung angepasst und zeitgemäß interpretiert.

Nutzungsverteilung und Erschließungssystem

Alte Akademie – Einzelhandel

Um der Nutzung als öffentliche Einzelhandelsfläche im Erdgeschoss der Alten Akademie gerecht zu werden, und zudem den dahinter liegenden Schmuckhof mit weiteren Läden und gastronomischen Angeboten ausreichend und adäquat von der Neuhauser Straße zu erschließen, schlagen Staab Architekten vor, den Innenraum hinter den Eingängen zum öffentlichen Raum zu erklären und die angrenzende Einzelhandelsfläche durch bodentiefe Schaufenster auf diesen Innenraum zu öffnen.

An der Neuhauser Straße im Bauteil Alte Akademie werden zwei Einzelhandelseinheiten vorgeschlagen. Durch den Rückbau der in den 50er Jahren aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens in der Neuhauser Straße eingeführten Arkade kann ein attraktiver Innenraum im Kopfbau der Alten Akademie geschaffen werden, der durch Rolltreppen das 1. und 2.Obergeschoss anbindet. Die erdgeschossigen Verkaufsräume erhalten durch die bestehende durchgehende Rippendecke und die dunklen Rundstützen eine hochwertige Anmutung, die durch den neuen durchgehenden Natursteinbelag und die neue Fenster und Türen mit Leibungsverkleidungen aus Baubronze verstärkt wird.

Eine weitere Einzelhandelsfläche wird im östlichen Bauteil der Alten Akademie zwischen den beiden neuen Durchgängen in den Schmuckhof vorgeschlagen und über diese sowie die bodentief verglaste Fassade im Erdgeschoss zum Schmuckhof erschlossen. Hier werden ebenfalls Rolltreppen angeordnet, die die Verkaufsflächen im Untergeschoss und 1.Obergeschoss anbinden.

Um die niedrigen Geschosshöhen für die zukünftige Einzelhandelsnutzung brauchbar zu machen, schlagen Staab Architekten den Rückbau der Galeriedecke über dem Erdgeschoss vor. Dies erlaubt die Ausbildung eines überhohen Erdgeschosses, welches durch die neue bodentiefe Verglasungen großzügig auf den Schmuckhof geöffnet werden kann. Außerdem werden die Decken über dem 1. und 3.Obergeschoss rück- und erhöht neu eingebaut, um sinnfällige lichte Höhen und Ausblicke aus den Fenstern zu ermöglichen. Diese Maßnahme schlagen Staab Architekten auch in den Einzelhandelsflächen des Bauteils Hettlage und Schmuckhof vor. Die Verschiebung der Decken generiert einheitliche Niveaus aller Einzelhandelsflächen in den Geschossen und erhöht die Flexibilität auf diese Weise nachhaltig.

Alte Akademie – Büroflächen im Dach

Im 3. Obergeschoss und den beiden Dachgeschossen der Alten Akademie schlagen Staab Architekten hochwertige Büroflächen vor, die über eine eigene Adresse aus dem im Stil der 50er Jahre gestalteten ehemaligen Foyers des Statistischen Landesamtes erschlossen werden. Der Zugang in die Aufzüge und das Treppenhaus der Büros wird durch eine gläserne Türanlage eindeutig vom öffentlichen Durchgang in den Schmuckhof separiert und artikuliert. Die im Dachgeschoss auf zwei Ebenen angeordneten Büroflächen erhalten durch eine leichte Verstärkung der Dachneigung ein lineares Oberlicht im Bereich des Firsts, welches visuell nur wenig in Erscheinung tritt. Um die obere Bürofläche ebenfalls seitlich zu belichten und Ausblicke zu ermöglichen, werden die Gauben um eine zweite Reihe zur Neuhauser Straße ergänzt und somit an das Vorkriegsbild angepasst.

Schmuckhof – Einzelhandel und Gastronomie

Der Schmuckhof wird zukünftig über die beiden Durchgänge von der Neuhauser Straße erschlossen. Durch die Gestaltung der Hoffläche und die Öffnung der Fassaden im Erdgeschoss, entsteht ein attraktiver Außenraum, der allseitig von Einzelhandels- und Gastronomieflächen umschlossen wird. Die ehemalige Kantine wird als Restaurant vorgeschlagen, welches mit seiner Außenbestuhlung den Innenhof belebt und zum Verweilen einlädt.

Wohnen am Schmuckhof / Klosterhof

In den Obergeschossen der Bauteile zum Kloster- und Wirtschaftshof werden Geschosswohnungen vorgeschlagen, die über das bestehende Treppenhaus in der nordwestlichen Ecke des Schmuckhofs erschlossen werden. In diesen Bauteilen werden kleine 1-2 Zimmer Wohnungen und Studios vorgeschlagen. Um die denkmalgeschützten Fassaden des Schmuckhofs mit ihrer kleinteiligen Lochfassade und dem graphischen Putzmuster erhalten zu können, schlagen Staab Architekten vor, die dem Schmuckhof abgewandten Seiten neu zu erstellen.

Die Dachflächen zum Schmuckhof werden ebenfalls nahe am historischen Vorbild mit Gauben mittlerer Größe vorgeschlagen, die durch ihre rötliche Metallverkleidung als Teil der Dachhaut gelesen werden. Diese großen Gauben werden als Fortsetzung der neuen Sichtbetonfassaden verstanden, die in der Ebene der Außenfassade liegen und ebenfalls private Loggien integrieren.

Bauteil Hettlage – Einzelhandel

Das Bauteil Hettlage wird vollständig entkernt. Lediglich die denkmalgeschützten Fassaden aus den 50er Jahren bleiben erhalten. Staab Architekten schlagen den Neubau von vier Einzelhandelsgeschossen vom 1. Untergeschoss bis zum 2.Obergeschoss als zusammenhängende Ladenfläche vor. Ein zentraler Luftraum mit sich kreuzenden Rolltreppen verbindet alle Etagen. Dieser Luftraum wird über eine Oberlichtverglasung im Patio der Wohnetagen natürlich belichtet und bildet einen attraktiven und eindeutigen Orientierungspunkt aus.

Der Haupteingang in die 4-geschossige Einzelhandelsfläche erfolgt mittig von der Neuhauser Straße über die Arkade. Um die Erscheinung der denkmalgeschützten 50er Jahre Fassade zu bewahren, und dennoch die Schaufenster in der Arkade eine adäquate Präsenz zu verschaffen, schlagen Staab Architekten vor, die Schaufensterebene zwischen die Rundstützen zu verschieben und die Arkade dadurch schmaler auszubilden.

Bauteil Hettlage – Wohnen im Dach

Das Bauteil Hettlage wird vollständig entkernt, lediglich die Straßenfassaden werden erhalten. Der Neubau im Inneren folgt einem aus den neuen Nutzungen Shopping und Wohnen entwickelten Regelwerk.

Im 3. Obergeschoss und dem neu erstellten Dachgeschoss schlagen Staab Architekten hochwertige Maisonettewohnungen mit privaten Patios und großzügigen nach Süden oder Westen Dachterrassen vor. Alle Wohnungen werden über eine eigens geschaffene Adresse an der Kapellenstraße erschlossen. Das mittig angeordnete Treppenhaus mit zwei Personenaufzügen mündet im 3. Obergeschoss in einem innenliegenden Garten, der Belichtung und Privatsphäre für die Wohnungen schafft und ein großzügiges Oberlicht zur natürlichen Belichtung des Luftraums in der darunter liegenden Einzelhandelsfläche integriert. An der Nord-, West und Südseite werden um diesen inneren Garten zweigeschossige Maisonettewohnungen angeordnet.

Die neue Dachlandschaft generiert sich aus den Wohnungen und folgt dem Wunsch, als Einheit mit den bestehenden Satteldächern gelesen zu werden. Um dies zu erreichen, schlagen Staab Architekten ein gefaltetes Metalldach vor, welches als Schrägdach an der Traufe der denkmalgeschützten Fassade beginnt und über Einschnitte Dachterrassen ausbildet.

Sanierung der denkmalgeschützten Arkade

Die denkmalgeschützte Arkade an der Neuhauser Straße wurde in den 50er Jahren in die Struktur der Alten Akademie integriert, um den Fußgängern an dieser städtebaulichen Verengung ausreichend Raum neben der stark befahrenen Straße zu gewähren. Heute ist die Neuhauser Straße eine Fußgängerzone und die Arkade wenig genutzt. Die Schaufenster werden durch die Arkade verschattet, weisen einen zu großen Abstand zum Fußgängerstrom auf der Neuhauser Straße auf und finden daher wenig Beachtung.

Bauteil Alte Akademie

Aus diesem Grund schlagen Staab Architekten vor, die Arkade im Bauteil Alte Akademie zugunsten einer großzügigen Ladeneinheit im Erdgeschoss zurückzubauen. Durch den Rückbau der in den 50er Jahren eingeführten Arkade kann ein attraktiver Innenraum im Kopfbau der Alten Akademie geschaffen werden, der historische Eingang an der Südseite der Alten Akademie dient zukünftig als Adresse und Haupteingang.

Bauteil Hettlage

Um die gestalterische Wirkung der denkmalgeschützten Fassade des Bauteil Hettlage aus den 50er Jahren nicht wesentlich zu verändern, schlagen Staab Architekten vor, hier die Arkade zu belassen und lediglich die Schaufensterfront näher an die Fußgängerzone in die Ebene der Rundstützen zu verlegen. Eine edle Einfassung aus Baubronze rahmt nicht nur die Waren, sondern integriert auch die originalen Rundstützen mittels eines gerundeten Paneels.

Geschäftshaus am Oberanger, München

Der Neubau fügt sich an diesem stadthistorisch wichtigen Ort in die Altstadtbebauung ein. Um dies für den Betrachter lesbar zu machen, werden gestalterische Qualitäten der historischen Fassaden Münchens definiert und in der Fassade des Neubaus in adaptierter Form wieder aufgegriffen. So folgt die Fassadenstruktur der traditionellen Dreiteilung in Sockel, Mittelzone und Dachgeschoss mit sekundärer Vertikalordnung und nimmt die florale Fassadenornamentik der umgebenen historischen Gebäude auf. Das Sockelgeschoss erhält geschlossene Betonelemente und eine tiefe Leibung, was die massive Erscheinung unterstützt. Die neue Fassade weist durch außenseitig angebrachte ornamentierte Glasfaserbetonelemente mit zunehmender Höhe einen größeren Grad an Perforation und Transparenz auf. Das zurückgesetzte Dachgeschoss dagegen wird aufgelöst und lediglich durch eine gläserne Fassade mit verschiebbaren eloxierten Aluminiumelementen definiert. Auf diese Weise fügt sich das neue Gebäude in seine historische und gewachsene Umgebung ein, ohne die für die Nutzung wichtige Flexibilität aufzugeben. Die hochwertigen Büroflächen in den Obergeschossen mit attraktiven Ausblicken in die Altstadt sind als Großraum-, Kombi- und Einzelbüros nutzbar. Im Erdgeschoss und im 1.OG befinden sich Einzelhandelsflächen.

http://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen-Staab_gewinnt_Wettbewerb_in_Muenchen_2505493.html

Maximilianeum München, Erweiterung des Bayerischen Landtags

Im Rücken des Maximilianeums, dem Sitz des Bayerischen Landtags in München, bieten zwei Erweiterungsbauten Raum für zusätzliche Abgeordnetenbüros. Die beiden L-förmigen Neubauten setzen im direkten Anschluss an die Flügelbauten aus den 1960er Jahren die Struktur des Altbaus fort, die in der orthogonalen Stellung der achsialsymmetrischen Baukörper innerhalb der runden Umfas-sungsmauer besteht.

Die Achse der Max-Planck-Straße wird offen gehalten, so dass der Mittelrisalit des alten Maximillianeums gerahmt wird und weiterhin nach außen wirksames Zentrum der Anlage bleibt. Die beiden nach Osten gerichteten Fassaden des Neubaus erscheinen in einer eigenständigen und zeitgemäßen Gestalt in Form einer zweischaligen Klimafassade, die über große wandartige, rötliche Einbauten an die Maßstäblichkeit des Altbaus heranreicht.

Servicezentrum auf der Theresienwiese, München

Das Servicezentrum sollte nicht als erste Bebauung der Jahrhunderte freigehaltenen „Wies’n“ gelesen werden, sondern als ein Infrastrukturelement des Oktoberfestes. Während des Festes soll es seine Funktion verkünden, und in den restlichen Monaten muss es gut gesichert die technischen Kostbarkeiten seines Innenlebens schützen.

Der Baukörper liegt mit seiner präzisen, einfachen Form unspektakulär auf dem großen flachen Feld und geht über die Materialität seiner Außenhaut wie ein Chamäleon in der Farbigkeit der Theresienwiese unter. Der mit Kupferblech überzogene Baukörper verrät nur über eine differenzierte Oberfläche, den Wechsel von geschlossenen und perforierten Kupferblechen, seine innere Struktur. Durch die komplette Umhüllung des Gebäudes werden alle Bereiche, die von der Wiese erreichbar sind, geschützt, nur die von außen nicht zugänglichen Innenhöfe sind großflächig verglast. Mit Inbetriebnahme des Gebäudes ändert sich das äußere Bild. Drei große, nach oben geöffnete Tore markieren weithin sichtbar die drei öffentlichen Eingänge des Gebäudes.