Denkmalschutz hat eine zentrale Bedeutung beim Realisierungswettbewerb zur Alten Akademie. Wie die österreichische Bundesdenkmalamt-Präsidentin Barbara Neubauer und SIGNA Geschäftsführer Christoph Stadlhuber zum grundsätzlichen Thema ‚Ungang mit historischer Substanz‘ stehen, lesen Sie in diesem Interview.

SIGNA: Was bedeutet Denkmalschutz für Sie?

Barbara Neubauer: Für mich persönlich ist das ein Teil meines Lebens. Ich habe mich schon frühzeitig für den Denkmalschutz entschieden, für die Erhaltung des kulturellen Erbes und nicht für eine museale Beschäftigung. Denkmalschutz lebt, und wir müssen dafür sorgen, dass das auch in Zukunft so ist und der Denkmalwert erhalten bleibt.

SIGNA: Denkmalschutz bedeutet auch oft einen erhöhten Aufwand an Zeit – auch für Investoren …

Neubauer: Wie viel ist zumutbar, in eine Oper zu investieren? Wie viel ist zumutbar, in ein Konzert, in einen Künstler zu investieren? Denkmalschutz ist genauso kulturelles Erbe und Kultur wie eben die darstellende und die bildende Kunst. Natürlich ist es oft mit viel Aufwand verbunden, und wir sind alle angehalten, diesen Aufwand nicht ins Unermessliche zu treiben, das ist ganz klar. Man wird nicht etwas vergolden, das nie vergoldet war, sondern wir versuchen immer, es auch für den Denkmaleigentümer in
einem verträglichen Rahmen zu halten.
Christoph Stadlhuber: Aus Investorensicht muss man sagen: Wer so ein Haus wie zum Beispiel die ehemalige Länderbankzentrale kauft, der sollte wissen, worauf er sich einlässt – im Regelfall tut er das auch. Auf der anderen Seite hätten wir eines der besten Luxushotels Europas nicht nach Wien gebracht, wenn das Gebäude nicht denkmalgeschützt gewesen wäre. Das war auch eine Grundvoraussetzung für
die Hyatt-Gruppe, erstmals mit einem Hotel nach Österreich zu gehen. Hier haben sie neben einem historischen Ambiente auch eine perfekte Lage. Der Mehrwert ist hier außer Frage gestellt, viel besser, als wenn man in ein 08/15-Objekt investiert.

SIGNA: Im Falle des Park Hyatt Vienna ist es ja so: Einiges darin ist denkmalgeschützt, einiges nicht. Inwieweit will man Investitionen in Dinge tätigen, die nicht mehr ihren Ursprungszustand erreichen?

Neubauer: Bei einem Objekt wird immer ein gewachsener Zustand geschützt.
Das heißt, es ist durchaus möglich, dass ich ein Objekt habe, das in der Substanz aus dem 16. Jahrhundert stammt und ich noch Teile aus dieser Zeit habe. Gleichzeitig sind aber in so einem Objekt auch Ausstattungen in Räumen des 19. Jahrhunderts
schützenswert. Da bedarf es vorab immer einer gründlichen Untersuchung,
einer Bauaufnahme, und die gab es auch. Diese Bauaufnahme wurde dann evaluiert, und es wurde gemeinsam mit dem Planer festgestellt, was getan werden muss und worauf verzichtet werden kann.

SIGNA: Wie lange hat das Zusammenspiel beim Park Hyatt Vienna gedauert?

Neubauer: Fünf Jahre.
Stadlhuber: Ich glaube, es kann gar nicht genau differenziert werden, was nun Denkmalschutz-Themen sind. Ist man erst in der Bauphase drinnen, kommt man immer wieder auf Neues drauf, und der Prozess beginnt: Wo braucht man Bewegung und wo nicht? Ein Gebäude muss auch eine ordentliche Nutzung nach der Fertigstellung haben. Das ist ein ständiger Dialog, der hier stattfindet, und das
Wesentliche ist hier auch, dass man dieselbe Sprache findet.

SIGNA: Womit kann man Denkmalschutz am besten vergleichen?

Neubauer: Es gibt drei Standbeine in der österreichischen Kultur, das sind: die bildende Kunst, die darstellende Kunst und das Kulturerbe. Auch das Kulturerbe ist am Ende des Tages nichts Statisches, es entwickelt sich weiter. Wir haben Denkmäler, die vor 20 Jahren gebaut wurden, das heißt, es kommt immer etwas dazu, und deshalb muss das Kulturerbe als etwas Künstlerisches gesehen werden und nicht nur als ›Alltagskultur‹, mit der wir es sonst zu tun haben.

SIGNA: Es ist natürlich etwas Besonderes, aus einem denkmalgeschützten Gebäude wie dem Park Hyatt Vienna einen Publikumsmagneten zu machen. Aber was ist für den Investor der tatsächliche Aspekt, in so ein Objekt zu investieren?

Stadlhuber: Es war eine große Herausforderung, und wir mussten vieles berücksichtigen: Denkmalschutz, Ensembleschutz, beengte Verhältnisse für den Bau bei der Zulieferung, Fragen für die Fußgängerzone, die Verlegung von öffentlichen Busspuren, die Organisation der Feuerwehrzufahrten et cetera. Aber es hat sich gelohnt. Denn wir hatten quasi eine historische Chance, zwei nebeneinanderliegende Bankgebäude nahezu zeitgleich erwerben zu können. Und da war klar: Das sind jetzt nicht zwei Objekte, die wir in der Projektentwicklung getrennt betrachten, sondern hier handelt es sich um eine Stadtteilentwicklung. Wir haben damit einen wesentlichen Teil des 1. Bezirks mit verändert. Wir haben nicht nur die Häuser angegriffen, sondern wir haben auch die Fußgängerzone davor geschaffen. Dadurch wurde das Umfeld des Park Hyatt Vienna mitgestaltet und ein Projekt mit dem Goldenen Quartier kreiert, das jetzt fertig und gelungen ist. Und das Wichtigste: Es funktioniert!
Neubauer: Es muss funktionieren! Kein Denkmalschützer wird verlangen, dass ein solches Objekt leer steht und nur museal genützt wird.

SIGNA: Themenwechsel. Was hat die Charta von Venedig mit dem GQ zu tun?

Neubauer: Die Charta von Venedig war international das erste Papier, das sich mit der Restaurierung und Erhaltung von Objekten beschäftigt und die Grundzüge festgelegt hat. Insofern haben wir heuer 60 Jahre Charta von gefeiert. Es ist für uns immer noch ein Grundsatzpapier, an dem wir uns orientieren. Es haben sich zwar die Zeiten geändert und auch Details und Zugänge, aber das Wesentliche an der Charta ist, die Objekte zu erhalten, damit sie in ihren denkmalpflegerischen Eigenschaften bewahrt bleiben können.

SIGNA: Denkmalschutz ist etwas für die Öffentlichkeit. Finden Sie es gut, dass im Falle des Park Hyatt Vienna nun Besucher ins Hotel pilgern und alles abknipsen?

Neubauer: Die österreichische Wirtschaft lebt davon. Und ich glaube, wenn die Leute so weit sind, dass sie die Dinge auch sehen, dann werden solche Objekte mehr wertgeschätzt.

SIGNA: Der 1. Bezirk ist dank des GQ wahnsinnig belebt worden. War diese Investition folglich richtig?

Neubauer: Auf jeden Fall. Wien hat großes Potenzial, das dadurch weiterentwickelt werden konnte. Es ist immer schwierig, mehrere Objekte in mehreren Infrastrukturen unterbringen zu müssen, aber mit dem GQ konnte man im Großen denken, und einige Sünden aus der Vergangenheit wurden damit wieder in Ordnung gebracht (lacht).

SIGNA: Gibt es im Innenstadtbereich nun noch weitere Projekte, auf die man sich freuen darf?

Stadlhuber: Die SIGNA würde sicher wieder in solch ein Objekt investieren, denn wir sind Wiederholungstäter (lacht). Klar ist: Wir haben unseren Fokus auf Innenstadtlagen und somit auch auf historischen Objekten. Darin sind wir Experten, da machen wir weiter.